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IG Metall beweist in Tarifauseinandersetzung einen langen Atem. Zehntausende beteiligen sich an Warnstreiks

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Lautstark für bessere Arbeitsverhältnisse: Eine Opel-Mitarbeiterin verlieh ihrer Forderung Nachdruck (Rüsselsheim, 17. Januar)

Der Kampf geht weiter. Am Mittwoch legten im Zuge der laufenden Tarifauseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie mehr als 30.000 Beschäftigte zeitweilig die Arbeit nieder. Gewerkschafter aus rund 140 Betrieben zog es vor die Werkstore, erklärte die IG Metall in einer Pressemitteilung. Seit dem Ende der Friedenspflicht hätten sich bundesweit 468.000 Beschäftigte an den Warnstreiks beteiligt.

Besondere Aufmerksamkeit fand der Protest beim Autobauer Opel. Der Konzern war im August 2017 von der französischen PSA Groupe übernommen worden. Im Zuge eines Sanierungsprogramms wurde Anfang des Jahres von der Unternehmensspitze für die kommenden sechs Monate Kurzarbeit eingeführt. Auf dem Rücken der bundesweit 19.000 Mitarbeiter will das Management kurzfristig 1,1 Milliarden Euro einsparen. Dafür sollen bis Ende 2018 Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden.

An den Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern, Eisenach und Dudenhofen beteiligten sich 6.600 Opel-Arbeiter am Ausstand. Ohne die Unterstützung der Belegschaft könne eine Umstrukturierung des Autobauers nicht gelingen, erklärte der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, vor den Demonstranten am Stammwerk in Rüsselsheim. Das Sanierungsprogramm »Pace« (Tempo) müsse eigentlich »Pea ce« (Frieden) heißen, sagte Hofmann. Die IG Metall sei zum Kampf bereit, wenn auf die Arbeitsplätze bei Opel zugegriffen werden solle. »Das ist ein starkes Signal für die Tarifrunde und an PSA nach Frankreich. Wir kämpfen gemeinsam für die Zukunft von Opel, für Arbeitszeiten, die zum Leben passen und für mehr Entgelt.« Das Geld sei bei den Beschäftigten besser aufgehoben als bei den Großaktionären. »Sechs Prozent sind drin«, so Hofmann. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug betonte die Wichtigkeit des Warnstreiks gerade in der aktuellen betrieblichen Situation. Die Sanierung von Opel könne nur mit und nicht gegen die Beschäftigten erreicht werden. »Wir erwarten, dass die von PSA gemachten Zusagen eingehalten werden«, sagte er.

Hofmann hat dem Unternehmerverband Gesamtmetall eine klare Frist gesetzt: Zum Auftakt der vierten Verhandlungsrunde am 24. Januar in Stuttgart müsse erkennbar werden, wohin die Reise geht. Der Vorstand der Gewerkschaft werde am 26. Januar nach Sitzungen sämtlicher regionalen Tarifkommissionen entscheiden, ob eine weitere Eskalation unvermeidbar sei. »Wir sind auf alles vorbereitet – auch auf bundesweite ganztägige Warnstreiks oder eine Urabstimmung und damit unbefristete Flächenstreiks in einzelnen Regionen«, hatte Hofmann am Dienstag in Frankfurt am Main erklärt.

 

Dank hoher Überschüsse können sogar Teilnehmern an Warnstreiks Verdienstausfälle erstattet werden. Das war bislang nur bei ordentlichen Streiks mit vorhergehender Urabstimmung möglich. Seit 2015 hat die IG Metall aber ihre Satzung geändert. Seitdem werden auch Tagesstreiks als Kampfmittel gewertet.

Das Forderungspaket der IG Metall umfasst die Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um sechs Prozent über eine Laufzeit von zwölf Monaten sowie neue Arbeitszeitregelungen, die jedem Beschäftigten das Recht auf zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit geben sollen. Beschäftigten soll durch einen Bonus Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen ermöglicht werden. Die Kapitalseite wertet die Forderung als verfassungswidrig. Quelle

Simon Zeise

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