Gegen den Strom

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom

Merkels Rekordbeschäftigung

Mehr als drei Millionen Lohnabhängige in der BRD können von einem Job alleine nicht leben und haben deshalb mehrere

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Die im Dunkeln sieht man nicht: Millionen arbeiten für niedrige Löhne und haben gleich mehrere Jobs

Regierungsparteien und bürgerliche Medien jubeln seit längerem über das angebliche deutsche »Jobwunder«. Die Beschäftigung erreiche immer neue Rekorde. Mit über 44 Millionen Personen befinde sie sich in diesem Jahr auf dem höchsten Stand seit dem Anschluss der DDR an die Bundesrepublik. Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stimmt in diesen Chor mit ein und prognostiziert in seinem aktuellen »IAB-Kurzbericht« gar einen weiteren Anstieg der Erwerbstätigkeit um über 500.000 Personen in diesem und über 600.000 Personen im kommenden Jahr.

Im Bundestagswahlkampf verteilte die CDU Flugblätter mit Sätzen wie »Deutschland boomt, die Wirtschaft wächst, der Arbeitsmarkt erreicht immer neue Rekorde. Die Politik der CDU und Angela Merkels zahlt sich für die Menschen aus«, oder »44,2 Millionen Menschen in Deutschland haben einen Arbeitsplatz – so viele wie nie zuvor«. Wie sich die Politik der CDU und Angela Merkels für »die Menschen« auszahlt, zeigt eine am Freitag veröffentlichte Anfrage der Linksfraktion im Bundestag an die Bundesagentur für Arbeit (BA). Demnach gehen immer mehr Beschäftigte mehreren Jobs nach, weil einer alleine schlicht nicht zum Leben reicht. Nach Angaben der BA standen im März dieses Jahres 3,2 Millionen Lohnabhängige parallel in mehreren Beschäftigungsverhältnissen.

Damit hat die Zahl der »Multijobber« binnen eines Jahrzehnts um rund eine Million zugenommen. Auch im Vorjahresvergleich gab es einen Anstieg bei den Mehrfachbeschäftigungen. Im März 2016 waren knapp 3,1 Millionen Arbeiter und Angestellte davon betroffen. Am weitesten verbreitet ist laut BA die Kombination von einer sozialversicherungspflichtigen mit mindestens einer zusätzlichen geringfügigen Beschäftigung. Hierauf sind 2,7 Millionen Personen angewiesen. Mehr als 310.000 haben mindestens zwei sozialversicherungspflichtige Jobs. In mehreren geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen befinden sich über 260.000 Lohnabhängige.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linkspartei im Bundestag, Sabine Zimmermann, die die Anfrage an die BA gestellt hatte, kritisierte die Entwicklung: »Für immer mehr Beschäftigte reicht das Einkommen aus einem Job nicht mehr aus. Der überwiegende Teil dürfte aus purer finanzieller Not mehr als einen Job haben und nicht freiwillig.« Viel zu viele Menschen seien arm trotz Arbeit. »Die scheidende Bundesregierung hat hier auf der ganzen Linie versagt«, sagte Zimmermann. Die Einführung des allgemeinen Mindestlohns von derzeit 8,84 Euro brutto in der Stunde sei nicht ausreichend gewesen, um Arbeit existenzsichernd zu machen. Nötig sei deshalb dessen Erhöhung und die Abschaffung von »Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit«.

 

Ob die Bundesregierung aus Union und SPD hier tatsächlich »versagt« hat, darf allerdings bezweifelt werden, und wenn doch, war es wohl ein gewolltes »Staatsversagen«. Schließlich steht sie mit fester Überzeugung in der Tradition der neoliberalen Agenda-2010-Politik, mit der nicht nur das Hartz-IV-Regime etabliert, sondern auch einer der größten Niedriglohnsektoren innerhalb der EU geschaffen wurde. So arbeitet in der Bundesrepublik mittlerweile fast jeder vierte für einen Lohn von weniger als 10,50 Euro pro Stunde. Kein Wunder also, dass auch immer mehr Beschäftigte im Land des »Jobwunders« dazu gezwungen sind, mehreren Tätigkeiten nachzugehen. Die »Politik der CDU und Angela Merkels« zahlt sich also tatsächlich aus – allerdings nur für die Unternehmer. Quelle

Stefan Thiel

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