Gegen den Strom

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom

Opposition in Algerien ruft zum Protest

Trotz Demonstrationsverbots wollen Regimegegner in Algier auf die Straße gehen. Tausende Polizisten sollen das verhindern. Gewaltsame Ausschreitungen werden befürchtet.

Während in Ägypen gefeiert wurde, kam es in Algerien zu Gewalt: Sicherheitskräfte haben in der Hauptstadt Algier eine spontane Kundgebung von Regimegegnern niedergeschlagen, die als Reaktion auf den Machtwechsel in Ägypten auf die Straße gingen. Nach Angaben eines Vertreters der Oppositionspartei RCD wurden am Freitagabend zehn Demonstranten verletzt, zwei von ihnen schwer.

Trotz eines Demonstrationsverbots haben Gegner des autoritären Präsidenten Abdelasis Bouteflika für Samstag zu Massenprotesten in der Hauptstadt aufgerufen. Sie wollen für mehr Freiheit, Arbeit und einen Regierungswechsel auf die Straße gehen. "Wir sind bereit für den Marsch", sagte RCD-Sprecher Mohcine Belabbas. "Das wird ein großer Tag für die Demokratie in Algerien."

Es werden erneut gewaltsame Ausschreitungen befürchtet. Tausende schwer bewaffnete Polizisten sind in Algier aufmarschiert, um die Demonstration zu verhindern. Die Polizisten seien "bis an die Zähne" bewaffnet. Sie seien an Bord von Hunderten Bussen und Lastern in Algier eingetroffen, berichtete die Tageszeitung El Watan. Auch vor einem Krankenhaus und dem Pressezentrum seien etliche kampfbereite Sicherheitskräfte aufgefahren. Reporter am Ort berichteten, der Aufmarsch solle offensichtlich auch Journalisten einschüchtern.

Die Behörden haben den Marsch verboten mit der Begründung, die öffentliche Ordnung schützen zu wollen. Es gehe nicht darum, Dissens zu unterdrücken, betonten sie. Experten der Denkfabrik Eurasia Group halten es für unwahrscheinlich, dass durch den Marsch "das Regime destabilisiert" werde.

Seit Wochen gibt es in dem nordafrikanischen Mittelmeerland nahezu täglich Streiks. Junge Algerier versuchen, mit Selbstverbrennungen und Hungerstreiks auf die Perspektivlosigkeit in ihrem Land aufmerksam zu machen. Seit Anfang des Jahres starben mehrere Menschen an Brandverletzungen, die sie sich selbst zugefügt hatten.

Beschwichtigungsversuche des Regimes blieben bislang erfolglos. Bouteflika hatte unter anderem Preissenkungen für Grundnahrungsmittel, mehr Demokratie und ein Ende des seit 19 Jahren andauernden Ausnahmezustands versprochen.

Die Opposition warnt vor einem blutigen Bürgerkrieg. "Wenn die Machthaber sich gegen einen friedlichen und demokratischen Wandel sperren, wird es Chaos und Gewalt geben, und das sogar noch
mehr als in Tunesien und Ägypten", sagte Said Sadi, der Vorsitzende der RCD-Partei. Schon bei Protesten im Januar hatte es Hunderte Verletzte und mehrere Tote gegeben. Quelle

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