Gegen den Strom

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom

Aufruf zum "Tag des Zorns" in Bahrain

Nun auch Protest in den Golfstaaten: Mit starker Polizeipräsenz versuchen die Herrscher Bahrains, eine angekündigte Massenkundgebung zu verhindern. Auch im Jemen und in Algerien protestierten Tausende.

Nach den Unruhen in mehreren arabischen Ländern kommen auch im Golfstaat Bahrain Proteste auf. Oppositionsgruppen haben über das Internet für heute zu Massenkundgebungen am "Tag des Zorns" aufgerufen. Die Staatsführung ließ starke Polizeipräsenz auffahren, um den Aufruhr im Keim zu ersticken. Die schiitischen Muslime stellen die Bevölkerungsmehrheit in dem arabischen Königreich, das von einer sunnitischen Herrscherfamilie regiert wird. Mehrere politische Gruppierungen der Schiiten unterstützten den Aufruf. Vertreter der regierenden Sunniten warnten vor einer Eskalation der Gewalt im Land.

Bei Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und der Polizei war in der Nacht zum Sonntag bereits ein junger Mann durch Schüsse schwer verletzt worden. Der Vorfall ereignete sich am Rande einer Hochzeitsfeier in der von Schiiten besiedelten Ortschaft Karsakan.

In Algerien geht der Protest weiter. Tausende Menschen forderten den Rücktritt von Präsident Abdelasis Bouteflika. Am Samstag waren rund 2000 Menschen gegen Bouteflika auf die Straße gegangen. In der Hauptstadt Algier gab es gewaltsame Zusammenstöße mit der Polizei, die mit einem Großaufgebot von 30.000 Beamten einen Protestmarsch verhinderte.

Aufgerufen zu den Protesten dort hatte ein kürzlich gegründetes Bündnis von Oppositionsparteien, Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen. Wie deren Vertreter sagten, nahmen Polizisten landesweit mehr als 300 Menschen fest. Die algerische Journalisten-Gewerkschaft SNJ warf den Sicherheitskräften vor, Reporter mit Schlagstöcken und Festnahmen an der Beichterstattung gehindert zu haben. Für Samstag ist ein weiterer Protestmarsch angekündigt.

Auch im Jemen demonstrierten erneut Tausende gegen den seit 32 Jahren regierenden Präsidenten Ali Abdallah Saleh. "Nach Mubarak ist Ali dran", skandierten am Wochenende etwa 4000 meist junge Demonstranten, als sie in der Hauptstadt Sanaa von der Universität zum zentralen Tahrir-Platz und zum Präsidentenpalast zogen. Der Platz war jedoch seit Freitag von rund 10.000 mit Knüppeln und Messern bewaffneten Anhängern Salehs besetzt, die die Demonstranten zwangen, ihren Protest aufzugeben. Als sie am Sonntag wiederkamen, gab es Zusammenstöße mit der Polizei. Laut der Opposition erlitten mehrere Menschen Verletzungen.

Die einflussreichste Oppositionsallianz verkündete am Sonntag, auf ein Verhandlungsangebot Salehs über politische Reformen einzugehen. Der seit 32 Jahren herrschende Präsident hatte Anfang des Monats angekündigt, auf eine weitere Amtszeit verzichten zu wollen.

Nach dem de-Facto-Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak startete das nun herrschende Militär den politischen Neuanfang. Es löste das Parlament auf und setzte die Verfassung außer Kraft, um eine Volksabstimmung über notwendige Änderungen zu ermöglichen.

In spätestens sechs Monaten soll in Ägypten eine Neuwahl geben, durch die eine zivile Führung die Armee ablösen soll. Damit erfüllte die Armee eine Forderung der Demonstranten, die wochenlang gegen Mubarak und sein Dauer-Regime protestiert hatten. Die erste Reaktion der Opposition war überwiegend positiv. "Sieg, Sieg" riefen Mitglieder der Demokratiebewegung auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Organisatoren der jüngsten Proteste riefen für Freitag zu einem "Siegesmarsch" auf, der Millionen auf die Straße bringen sollte. Quelle

Kommentare powered by CComment

Aktuelle Seite: Startseite International Naher Osten Aufruf zum "Tag des Zorns" in Bahrain