Gegen den Strom

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom

Regime lassen knüppeln und schießen

Libyen, Bahrain, Jemen, Kuwait, Oman, Dschibuti und Jordanien: Die arabische Welt ist in Aufruhr. Die Regime reagieren mit Härte. Es gab zahlreiche Tote und Verletzte.

In mehreren arabischen Staaten sind Sicherheitskräfte weiter mit Gewalt gegen protestierende Oppositionsanhänger vorgegangen. In Bahrain eröffneten Soldaten bei einer Oppositionskundgebung erneut das Feuer auf Demonstranten. Viele Menschen seien verletzt worden, einige davon schwer, sagte Dschalal Firus von der oppositionellen Wefak-Partei. Die Demonstranten hätten versucht, auf den Perlen-Platz zu gelangen. Auf diesem hatte die Polizei am Vortag ein Zeltlager der Opposition geräumt. Dabei wurden vier Menschen getötet und 231 verletzt. In der Stadt Sitra kamen mehrere Tausend Oppositionelle zur Beisetzung getöteter Demonstranten zusammen. "Das Volk will das Regime zu Fall bringen", rief die Menge vor der Moschee, in der die Toten aufgebahrt waren.

US-Außenministerin Hillary Clinton zeigte sich "tief besorgt". Die USA verurteilten Gewalt gegen Demonstranten und unterstützten demokratische Reformen, sagte sie in Washington. Sie habe mit ihrem Amtskollegen, Khaled Al Khalifa, telefoniert und die Vorgänge kritisiert. Die anderen Golfmonarchien stärkten König Hamad bin Isa Al Khalifa bei einem Außenministertreffen in Manama den Rücken. Sie erklärten, die Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) seien bereit, Mitgliedstaaten zu unterstützen, wenn deren "Sicherheit und Stabilität" gefährdet sei.

In Libyen drohten die Gefolgsleute von Staatschef Muammar al-Gadhafi mit massiver Gewalt gegen Oppositionelle. Die Revolutionskomitees erklärten, weitere Demonstrationen würden mit "harter" Gewalt beantwortet. Am Freitag gingen jedoch erneut zahlreiche Regimegegner auf die Straße. Die Proteste wurden gewaltsam unterdrückt, mindestens 27 Menschen getötet, wie aus Oppositionellen-Kreisen verlautete.

Nach ihren eigenen Angaben übernahmen regierungsfeindliche Demonstranten die Kontrolle in der libyschen Stadt Al-Baida. Unbestätigten Augenzeugenberichten zufolge sollen dort mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter auch mehrere Soldaten. Die Armee-Brigade von Gadhafis Sohn Chamies habe damit begonnen, die Demonstranten dort zu vertreiben. Sie ist laut einer Depesche der US-Botschaft vom Dezember 2009 die am besten ausgebildete und ausgerüstete Einheit der libyschen Streitkräfte. Die Zahl der Toten in der zweitgrößten Stadt Bengasi, wo Gadhafi-Sohn Al-Saadi aktiv werden soll, wurde mit 10 bis 14 angegeben. Auf Amateurvideos, die von libyschen Demonstranten ins Netz gestellt wurden, waren mehrere Leichen junger Männer zu sehen.

Gadhafi selbst ließ sich in der Nacht zum Freitag von Anhängern in Tripolis feiern. In mehreren libyschen Städten waren Gadhafi-Gegner am Donnerstag einem Aufruf zu einem "Tag des Zorns" gefolgt. Sie zerstörten die in Libyen allgegenwärtigen Bilder des seit 1969 amtierenden Staatschefs.

Im Jemen kam es in mehreren Städten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und -anhängern. Dabei wurden mindestens zwei Menschen getötet und Dutzende verletzt. In Aden feuerte die Polizei nach Augenzeugenberichten auf Demonstranten, tötete einen Menschen und verletzte vier weitere. In Tais warf ein Unbekannter nach Augenzeugenberichten eine Handgranate auf Regierungsgegner. Ein Mann starb, mindestens sieben wurden verletzt. In Tais hatten sich mehrere Tausend Oppositionelle auf dem seit Tagen besetzten Freiheits-Platz versammelt. Rund Zehntausend regierungstreue Demonstranten strömten an anderen Stellen der Stadt zusammen.

In Iran folgten Zehntausende Regierungsanhänger einem Aufruf von Präsident Mahmud Ahmadineschad und demonstrierten in aufgeheizter Stimmung gegen die Opposition. Die vor der Teheraner Universität versammelte Menge rief Todesdrohungen gegen die Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karubi. Geistliche nutzten das Freitagsgebet zu Anfeindungen der Regierungsgegner.

Unruhen wurden auch aus den Golfstaaten Kuwait und Oman gemeldet, bei Zusammenstößen in der jordanischen Hauptstadt Amman wurden mindestens zehn Demonstranten verletzt.

Auch im ostafrikanischen Dschibuti haben Tausende Menschen gegen die Regierung demonstriert. Am Abend gab es Zusammenstöße, als Sicherheitskräfte Tränengas gegen die Oppositionsanhänger einsetzten. Die Demonstranten hatten sich mit Spruchbändern vor dem nahe dem Innenministerium gelegenen größten Stadion der gleichnamigen Hauptstadt versammelt und forderten den Rücktritt von Präsident Ismael Omar Guelleh.

Zu der Demonstration hatte die Union für einen demokratischen Wechsel (UAD) aufgerufen, der wichtigste Zusammenschluss der Opposition. Unter den Teilnehmern waren überwiegend Studenten und andere junge Leute. Ein großes Polizeiaufgebot überwachte die Protestveranstaltung, die zunächst friedlich verlaufen war. Die Angaben zur Zahl der Teilnehmer lagen weit auseinander: Während die Polizei von 600 bis 700 Demonstranten sprach, waren es den Veranstaltern zufolge fast 40.000.

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo feierten Hunderttausende Menschen den "Freitag des Sieges" und forderten vom herrschenden Militär zügigere Reformen. Eine Woche nach dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak verlangten sie eine vom alten Regime unabhängige Übergangsregierung, die Aufhebung des Ausnahmezustands und die Freilassung der politischen Gefangenen.

Die Militärführung startete unterdessen seine eigene Seite auf der Internet-Plattform Facebook. Die Armee wolle damit "die Jugend erreichen", hieß es in einer Stellungnahme. Die Demokratiebewegung hatte sich anfangs vor allem über Facebook organisiert und vernetzt.

Die USA boten Ägypten 150 Millionen Dollar (110 Millionen Euro) Soforthilfe an. Amerika stehe bereit, Ägypten bei demokratischen Reformen und bei der wirtschaftlichen Erholung zu unterstützen, sagte Außenministerin Clinton in Washington. Die USA hatten Ägypten in der Ära Mubarak jährlich mit Milliarden Dollar unterstützt. Besonders das Militär erhielt hohe Summen aus Washington.

Die EU will einen Kurswechsel ihrer Politik gegenüber den Nachbarn im Süden einleiten. Die Nachbarschaftspolitik solle mehr an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in den Partnerländern ausgerichtet werden, berichteten Diplomaten am Freitag in Brüssel. Die EU unterstützt allein Ägypten im Rahmen ihrer Nachbarschaftspolitik mit rund 150 Millionen Euro jährlich. Großbritannien überprüft seine Waffenexporte nach Bahrain. Quelle

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