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Syriens Militär stürmt Protesthochburg nahe der Türkei

Syrien_Demo_AprilDie syrischen Streitkräfte haben ihren Kampf gegen Regierungsgegner verschärft und eine Protesthochburg nahe der türkischen Grenze gestürmt.

Nach tagelanger Belagerung waren syrische Regierungsverbände am Sonntag in die nordwestliche Kleinstadt Dschisir al-Schughur einmarschiert. Die Streitkräfte nahmen die Kleinstadt mit Artillerie unter Beschuss. Mehr als 5000 Bewohner flüchteten schon in den vergangenen Tagen über die nahe Grenze in die Türkei.

Nach Angaben der Staatsmedien hätten die Regierungstruppen "Ruhe und Ordnung" in der Stadt wiederhergestellt. Zuvor hätten Armee-Einheiten den Ort im Nordwesten des Landes "von bewaffneten terroristischen Banden gesäubert, die die Bewohner terrorisierten, öffentliches und privates Eigentum angriffen und Chaos über die Stadt brachten", hieß es in einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Sana.

Die Truppen von Präsident Baschar al-Assad nahmen Anwohnern zufolge die Stadt Dschisr al-Schughur am Sonntag unter schweren Beschuss. Die Regierungstruppen seien mit bis zu 150 Panzern in die seit Tagen eingekesselte Stadt eingezogen, aus der Tausende Menschen in die Türkei geflohen sind. Das syrische Staatsfernsehen berichtete von heftigen Gefechten zwischen Soldaten und bewaffneten Banden. Die USA warfen Syrien vor, die eigene Bevölkerung in eine Versorgungskrise zu stürzen. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte das Vorgehen der syrischen Führung. Nach Darstellung von Menschenrechtlern wurden seit Februar 1300 Zivilisten getötet.

Anwohner berichteten, von Assads Bruder Maher befehligte Truppen seien in der Nacht auf Sonntag in Dschisr al-Schughur eingerückt. Die Soldaten hätten in den Straßen Maschinengewehrsalven abgefeuert. Auch aus über der Stadt kreisenden Hubschraubern werde geschossen. Zuvor sei die Stadt wahllos von Panzern beschossen worden. Flüchtlinge berichteten von getöteten Zivilisten. Zudem hätten Soldaten umliegende Felder zerstört sowie Kühe und Schafe getötet.

Das amtliche Fernsehen berichtete dagegen, die Soldaten hätten in der Stadt zahlreiche Bewaffnete festgenommen und ihre Waffen beschlagnahmt. An Brücken und Einfallstraßen gelegte Sprengsätze seien entschärft worden. Bei Kämpfen seien zwei Bandenmitglieder getötet worden. Die staatliche Nachrichtenagentur meldete, die Truppen seien gegen Bewaffnete in einem Krankenhaus vorgegangen.

Die syrische Führung hat die meisten Auslandskorrespondenten ausgewiesen, so dass eine Überprüfung der Berichte schwierig ist. Ein westlicher Diplomat in Damaskus sagte, er halte die Berichte über Gefechte für unglaubwürdig. Die meisten Einwohner hätten die Stadt längst verlassen. Dschisr al-Schughur ist ein Verkehrsknotenpunkt, weil es auf der Strecke zwischen Syriens zweitgrößter Stadt Aleppo und dem Mittelmeerhafen Latakia liegt.

FLÜCHTLINGSSTROM IN DIE TÜRKEI

Das Militär startete die Offensive, nachdem in Dschisr al-Schughur 120 Soldaten getötet worden waren. Einwohnern zufolge kam es zu einer Meuterei unter den Truppen, weil einige Soldaten nicht auf demonstrierende Regierungsgegner schießen wollten. Die Führung in Damaskus machte dagegen bewaffnete Banden für den Tod der Soldaten verantwortlich und entsandte neue Truppen.

Wegen des Militäreinsatzes sind 5000 Syrer in die Türkei geflüchtet. Die Hilfsorganisation Roter Halbmond bereitete nach UN-Angaben ein viertes Flüchtlingslager mit Platz für 2500 weitere Menschen vor. Zeugen zufolge harren 10.000 Syrer nahe der Grenze aus.

Ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama sagte am Samstag, die syrische Regierung müsse ihr gewaltsames Vorgehen gegen Demonstranten umgehend beenden und dem Roten Kreuz sofort uneingeschränkten Zugang gewähren. Ähnlich äußerte sich am Sonntag Außenminister Westerwelle. Durch den Einsatz schwerer Waffen drohe eine Versorgungskrise, erklärte der Minister. Die gefährliche Situation mache eine klare Reaktion des UN-Sicherheitsrates umso dringlicher.

Dort erhielten die Bemühungen von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Portugal für eine Syrien-Resolution aber einen Dämpfer: China und Russland blieben einem Treffen zur Abstimmung über einen Resolutionsentwurf demonstrativ fern. Sie können eine Resolution per Veto stoppen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich tief besorgt über die Gewalt. Quelle

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