Gegen den Strom

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom

In Äthiopien sind derzeit fast 31% der Bevölkerung von Hunger bedroht, wie die Welthungerhilfe kürzlich bekannt gab. Trotzdem hat dieser Staat am Horn von Afrika in den vergangenen Jahren über 500.000 Quadratkilometer seines besten Ackerlandes verkauft oder verpachtet - an potente Investoren aus Saudi-Arabien. Diese Politik des "Land Grabbing" stellt die afrikanischen Bauern vor ernsthafteSchwierigkeiten. Sie werden von ihrem Land vertrieben und müssen ihre Familien nun mit Gelegenheitsjobs auf den Farmen der Investoren oder in den Slums der Afrikanischen Großstädte durchbringen.

Das Phänomen des "Land Grabbing" ist nicht neu in Afrika. Die Regierung Madagaskars, unter Präsident Marc Ravalomanana, brach Anfang 2009 unter blutigen Protesten der Bevölkerung zusammen. Auslöser dafür war ein Vertrag des Präsidenten mit dem Koreanischen Konzern Daewoo, der den Koreanern Land in der Größe Belgiens zum Reisanbau verpachtete. Marita Wiggerthale, Sprecherin der Nichtregierungsorganisation Oxfam sagt "Land Grabbing ist eine Reaktion auf die Nahrungsmittelkrise".

Kommentar schreiben (0 Kommentare)

»Kolonialismus des 21. Jahrhunderts«: Konzerne und Staaten kaufen und pachten die besten Böden in Entwicklungsländern, vor allen in Afrika.

In vielen Ländern der sogenannten Dritten Welt findet derzeit die größte Landnahme seit dem Ende des Kolonialismus statt. Konzerne und Regierungsorganisationen aus Schwellen- und Industriestaaten kaufen vor allem in Afrika riesige Agrarflächen auf, um dort Lebensmittel oder Nutzpflanzen für ihre heimischen Märkte anzubauen. Der Sonderberichterstatter des UN-Menschenrechtsrats für das Recht auf Nahrung, der Belgier Olivier de Schutter, stellte Anfang März einen diesbezüglichen Bericht vor, der Landkäufe oder -pachtungen in Entwicklungsländern erfaßt. Demnach sind seit 2006 bis zu 20 Millionen Hektar Anbauflächet von ausländischen Investoren aufgekauft oder langfristig gepachtet worden. Diese Fläche entspricht in etwa einem Drittel der landwirtschaftlich genutzten Böden in der EU.

Der Bericht benennt rund ein Dutzend Staaten Afrikas, denen angeboten wurde, ganze Landstriche an ausländische Konzerne, Investmentfirmen oder Regierungsorganisationen zu verkaufen oder auf 99 Jahre zu verpachten. Betroffen sind mit Äthiopien, der Demokratischen Republik Kongo, Madagaskar, Somalia, Mali, dem Sudan und Tansania einige der ärmsten Länder der Welt. Rund 80 Prozent der Landkäufer seien »private Investmentfirmen«, betonte De Schutter, während die »lokalen Eliten« die größtenteils »nicht transparent« ausgehandelten Landdeals als Gelegenheit wahrnähmen, »rasches Geld zu machen«.

Kommentar schreiben (0 Kommentare)

Vor 20 Jahren kam Nelson Mandela aus dem Victor-Verster-Gefängnis frei. Seine Freilassung am 2. Februar 1990 kündigte das Ende des Apartheid-Systems an, das eine strikte Rassentrennung praktiziert und der schwarzen und farbigen Mehrheit in Südafrika das Wahlrecht vorenthalten hatte. Die darauf folgenden Wahlen im Jahr 1994 brachten Mandela als Präsident eines Landes an die Macht, das als "Regenbogen-Nation" bejubelt wurde.

Zwei Jahrzehnte später ist Südafrika trotz des Endes der Apartheid immer noch eine der Gesellschaften mit der größten Ungleichheit auf der Welt. Die beschränkten politischen Errungenschaften wurden nicht in größere gesellschaftliche und wirtschaftliche Gleichheit umgesetzt. Vielmehr hat sich die Kluft zwischen Arm und Reich noch vergrößert, und heute leben mehr Südafrikaner in Armut als 1990.

Zirka 70 Prozent der Bevölkerung leben nach neuesten Zahlen unterhalb der offiziellen Armutsgrenze. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 40 Prozent, wenn man eine realistische Schätzung zugrunde legt. Gleichzeitig haben die reichsten Mitglieder der Gesellschaft ihre jährlichen Einkünfte um sage und schreibe 50 Prozent gesteigert.

Die soziale Ungleichheit ist sowohl zwischen den ethnischen Gruppen als auch innerhalb der Gruppen gewachsen. Die Mehrheit der schwarzen Südafrikaner lebt immer noch in Armut, aber eine winzige Minderheit an der Spitze des herrschenden African National Congress (ANC) ist zu Milliardären geworden und hat sich mit der reichen Elite zusammengetan, die Südafrika unter dem Apartheid-Regime regiert hat.

Kommentar schreiben (0 Kommentare)

Wie ist es möglich, dass die Welt im 21. Jahrhundert fähig ist, jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten zu ernähren, aber die Mehrheit der Menschen in Afrika und im Rest des Globalen Südens, die arm ist, maßlos hungert - während die Fettsucht im Westen rapide zunimmt? Warum hat außerdem die kürzliche Besitzergreifung in Afrika durch reiche Länder stattgefunden? Die Kurzantwort auf die erste Frage liegt in der ungleichen Verteilung und Kontrolle des globalen Reichtums und seines Besitzes, der in wenigen Händen liegt. Die Antwort auf die zweite Frage ist an die erste gebunden und ist der Schwerpunkt dieses Artikels.

Die kürzliche Eile, d.h. innerhalb der letzten 12 Monate, beim Landkauf in Afrika hat ihren Ursprung in einer Anzahl von Faktoren, die sich auf Sorgen im Hinblick auf die globale Ernährungssicherheit beziehen, vor allem der Anstieg der globalen Getreidepreise zwischen 2007 und 2008, der zu Aufständen der Hungrigen in über 20 Ländern in der Welt führte, einschließlich Haiti, Senegal, Jemen, Ägypten und Kamerun.

Kommentar schreiben (0 Kommentare)

Rom (dpa) - Somalische Regierungs- und Oppositionsvertreter wollen am 10. Juni in Rom Wege aus dem Bürgerkriegschaos in ihrem Land und den Kampf gegen die vor Somalias Küste operierenden Piraten erörtern. Das teilte der italienische Außenminister Franco Frattini am Mittwoch in Rom mit. Das Treffen in Italiens Hauptstadt solle dazu dienen, die von den Vereinten Nationen gestützte Regierung unter Präsident Sheik Sharif Ahmed zu festigen, sagte Frattini. Der von Somalia ausgehenden Piraterei am Horn von Afrika könne nur dann ein Riegel vorgeschoben werden, wenn die ausweglos erscheinende Lage dort angegangen werde.

Sharif Ahmed kam durch einen UN-geförderten Friedensprozess an die Macht und wird von Truppen der Afrikanischen Union unterstützt. Seine Armee kontrolliert jedoch nur noch kleine Gebiete der Hauptstadt. Die Anhänger radikal-islamischer Milizen werfen dem gemäßigten Islamistenführer Sharif Ahmed seine angebliche Nähe zum Westen vor. Die aufständischen Milizen sind vor allem auch in der Hauptstadt Mogadischu in Kämpfe mit Regierungstruppen verwickelt.

 

Kommentar schreiben (0 Kommentare)
Aktuelle Seite: Startseite International Afrika