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Iran: "Tod dem Diktator" und "Lasst die politischen Gefangenen frei"

Iranische Sicherheitskräfte haben in ganz Teheran Trauerfeiern zum Gedenken an die Opfer der Proteste gegen die manipulierte Wahl mit Schlagstöcken und Tränengas überfallen.

Protest bei TrauerfeierUngeachtet des Verbots versammelten sich gestern (30.07.2009) tausende Demonstranten allein auf dem großen Teheraner Mosalla-Gebetsplatz. In mehreren Stadtteilen kamen Menschen zusammen, um an die Getöteten zu erinnern. Muslime gedenken der Verstorbenen traditionell 40 Tage nach deren Tod. Die Polizei ging mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor. Als Reaktion auf den Polizei-Einsatz setzten Regierungsgegner Reifen und Mülltonnen in Brand. Nach der gewaltsamen Auflösung der Feier zogen Tausende Menschen ins Zentrum, auch dort kam es zu schweren Zusammenstößen. Journalisten internationaler Nachrichtenagenturen war es abermals verboten, ihre Büros zu verlassen und vom Ort des Geschehens zu berichten.

Symbolfigur der Protestbewegung

KarrubiDie Musikstudentin Neda wurde zur Symbolfigur der Protestbewegung gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad, nachdem ihr gewaltsamer Tod gefilmt und ins Internet gestellt worden war.Der Donnerstag war der 40. Tag nach ihrem Tod, an dem nach islamischer Tradition stets Gedenkfeiern stattfinden. Die Oppositionsanhänger versammelten sich dazu auf dem Friedhof im Süden von Teheran.

Tausende trotzen Verbot

Eine Gedenkfeier für die Opfer der Proteste in einer zentralen Moschee war zuvor verboten worden, dennoch versammelten sich dort am Donnerstag Tausende Menschen. Wie Augenzeugen berichteten, strömten rund 3.000 Menschen zum Mossala-Gelände, einem zentralen Gebetsort in der iranischen Hauptstadt. Die Polizei versuchte demnach, die Demonstranten zu vertreiben, Hunderte Autofahrer begannen aus Protest ein Hupkonzert.

Oppositionspolitiker eingekesselt
Auf dem Friedhof im Süden Teherans gelang es Mussawi offenbar nach seiner Ankunft, aus seinem Auto auszusteigen und bis zu Nedas Grab zu gehen. Nach wenigen Augenblicken wurde er jedoch von Polizisten umstellt und wieder in sein Auto geführt. Seine Anhänger riefen daraufhin seinen Namen, skandierten "Tod dem Diktator" und warfen Steine.

Nachdem die schwer bewaffneten Sicherheitskräfte die Demonstranten vertrieben hatten, die den Wagen umringten, fuhr der Oppositionspolitiker davon. Die anderen Trauernden zogen sich danach in kleinen Gruppen zurück, wie der Zeuge sagte. Karubi wurde bereits bei seinem Eintreffen eingekesselt.

Besuch als Signal
Mit dem Besuch des Friedhofs wollten Mussawi und Karrubi demonstrieren, dass sie sich in dem Konflikt mit der iranischen Führung um den umstrittenen Ausgang der Präsidentenwahl nicht geschlagen geben und noch immer an eine manipulierte Abstimmung glauben.

Zudem gilt es, den Druck auf Ahmadinedschad auch vonseiten der Reformer aufrechtzuerhalten, nachdem der Präsident zuletzt auch ins Visier der Ultrakonservativen geraten war und sich nun mit zwei Fronten herumschlagen muss.

Tränengas gegen Demonstranten
Laut Augenzeugenberichten kam es später auch in anderen Stadtteilen zu Zusammenstößen, auch Tränengas soll dabei erneut eingesetzt worden sein.

Tausende Demonstranten zogen die Wali-Asr-Straße entlang, eine der wichtigsten Straßen der Hauptstadt, wie Augenzeugen berichteten. Sie skandierten "Tod dem Diktator" und "Lasst die politischen Gefangenen frei".

Regime "hat Verbrechen begangen"
Der frühere iranische Präsident Mohammed Khatami warf den Justizbehörden indes "Verbrechen" gegen inhaftierte Regierungsgegner vor. Die Schließung eines Gefängnisses sei nicht wegen mangelnder Hygiene angeordnet worden, erklärte der reformorientierte Politiker am Donnerstag auf seiner Website. "Nein. Es wurden Verbrechen begangen. Menschenleben gingen verloren", fügte Khatami hinzu.

Gefängnisse geschlossen
Am Montag hatte der oberste geistliche Führer Ajatollah Ali Chamenei angeordnet, ein Gefängnis im Süden der iranischen Hauptstadt Teheran wegen nicht erfüllter "Standards" zu schließen. Zuvor hatte es Berichte darüber gegeben, dass zwei Demonstranten im Gefängnis ums Leben gekommen seien.

Nach Berichten amtlicher Medien wurden bei den Protesten zwischen 1.000 und 2.000 Menschen verhaftet, die meisten von ihnen wurden jedoch inzwischen wieder freigelassen. Rund 250 sind nach offiziellen Angaben weiter im Gefängnis. Am Samstag soll der erste Prozess gegen 20 Inhaftierte starten. Ihnen werden unter anderem Gewalt gegen Sicherheitskräfte und Waffenbesitz vorgeworfen.

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