Gegen den Strom

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom

Iran kann Protest der Opposition nicht unterdrücken

Die Menge brachte ihre Ergebenheit gegenüber dem geistlichen Oberhaupt Irans, Ayatollah Ali Chamenei, zum Ausdruck, hieß es im staatlichen Fernsehen. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hielt auf dem Friedensplatz eine Rede. Nach Angaben des Staatsfernsehen gingen im ganzen Land "Millionen" Menschen auf die Straße, um die "Einheit der Nation" zu demonstrieren. Die Opposition berichtet über den Kurznachrichtendienst Twitter, dass es aber auch Rufe "Tod dem Diktator" gegeben habe. Vereinzelt waren auch die grünen Fahnen der Opposition zu sehen.

Augenzeugen berichten im Live-Ticker des Guardian von Übergriffen der Polizei gegen Demonstranten. Mehrere Anführer der Oppositon, darunter der Bruder des ehemaligen Präsidenten Khatami, wurden unter Hausarrest gestellt. Auch in anderen iranischen Städten versuchten Oppositionsgruppen gegen die Regierung zu demonstrieren. Die Sicherheitskräfte zeigten direkt Härte gegen die Demonstranten und setzten Schusswaffen, Tränengas und Farbbeutel ein.

Offenkundig geht die iranische Regierung auch gegen E-Mail-Dienste und Internet-Anbieter vor. Google meldete, dass der Zugriff auf iranische E-Mail-Adressen behindert sei und zahlreiche Nutzer keine Mails mehr verschicken könnten. Die Regierung kundigte an, dass sie in Zukunft einen eigenen E-Mail-Dienst anbieten werde.

Die iranischen Behörden hatten Kundgebungen der Opposition am Jahrestag der Revolution untersagt. Ungeachtet des Verbots versammelten sich nach Angaben oppositioneller Internetseiten tausende Regimegegner auf den Straßen Teherans. Bereits bei anderen offiziellen Anlässen in der Vergangenheit hatten die Oppositionellen die Taktik angewandt, sich unter die Anhänger der Regierung zu mischen. "Lasst uns alle ruhig und entschlossen, geduldig und gewaltfrei an den Jahrestags-Zeremonien teilnehmen", hatte der Oppositionspolitiker und frühere Präsidentschaftskandidat Mehdi Karubi im Vorfeld der Feiern gesagt. Am Vormittag wurde von unbekannten das Auto Karubis in Brand gesetzt.

Beobachter des Landes werten es als ungewöhnlich, dass der religiöse Führer des Landes, Ayatollah Chamenei, Abstand vom Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad hielt. Während der ersten Amtszeit hatte Ahmadinedschad noch die volle Unterstützung der religiösen Führung gehabt.

Das Kräftemessen zwischen der Teheraner Führung und der Opposition hält bereits seit der umstrittenen Wiederwahl von Ahmadinedschad im vergangenen Juni an. Zuletzt waren bei Protesten am Rande des schiitischen Aschura-Festes am 27. Dezember acht Menschen getötet und rund tausend festgenommen worden. Quelle

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