Gegen den Strom

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom

Ansichtssache Armut

 

Auch der sektorale Wandel, weg von der Industrie und hin zum Dienstleistungsbereich, habe den Trend zum Zweitjob begünstigt. Für viele Bereiche des Dienstleistungssektors seien hohe Teilzeitquoten und niedrigere Löhne als in der Industrie typisch. Beide Faktoren sorgen dafür, dass viele der dort Beschäftigten auf einen oder mehrere zusätzliche Jobs angewiesen sind. Zudem führe auch der demographische Wandel zu mehr Nebentätigkeiten. Es seien »Altersgruppen anteilsmäßig stärker geworden, in denen es eine vergleichsweise hohe Nebenjobwahrscheinlichkeit gibt«.

Diese »vergleichsweise hohe Nebenjobwahrscheinlichkeit« dürfte allerdings auch davon herrühren, dass viele Ältere sonst nicht über die Runden kommen. Darauf deuten – zumindest indirekt – Daten aus dem Wohngeldbericht der Bundesregierung hin. Wie die Süddeutsche Zeitung am Montag meldete, war 2016 fast jeder zweite Wohngeldempfängerhaushalt von Rentnern bewohnt. Die Zahl der Rentnerhaushalte, die aufgrund ihrer geringen Einkünfte den staatlichen Zuschuss zur Miete erhielten, sei innerhalb eines Jahres um 63 Prozent auf rund 290.000 gestiegen. Im Schnitt verfügten diese über ein Einkommen von lediglich 730 Euro im Monat. Wenn man bedenkt, dass viele Ruheständler – trotz vorliegendem Anspruch – vermutlich aus Scham darauf verzichten, Wohngeld zu beantragen, ist die starke »Neigung« Älterer zum Nebenverdienst durchaus plausibel. Irgendwie muss die Miete schließlich bezahlt werden. Das Institut der deutschen Wirtschaft würde aber vermutlich auch diese Entwicklung nicht als Indiz für Armut werten. Quelle

Stefan Thiel

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