Gegen den Strom

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom

Wohlstand und Ausbeutung

»Wir reden hier nicht über Tausende, Hunderttausende, die migrieren wollen, sondern über Millionen oder zehn Millionen oder noch mehr«, erklärte der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, in Abidjan. BND-Präsident Bruno Kahl hat die Ahnungen der Eliten am 13. November in einer Rede vor der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung knapp auf den Punkt gebracht: »Weit über eine Milliarde Menschen werden künftig einen rationalen Migrationsgrund haben.«

Dem Establishment ist klar: Will man den eigenen Wohlstand abschotten und die Ausbeutung weiterführen, dann muss man die Grenzen hochrüsten. Man wird aber auch ein wenig Druck aus dem Kessel nehmen müssen, damit er nicht platzt; das bisherige Modell, die schreiende Ungleichheit mit sogenannter Entwicklungshilfe zuzukleistern, reicht nicht mehr aus. Die Bundesregierung sucht, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und hat sich schon im Rahmen ihres G-20-Vorsitzes um Investitionsprogramme bemüht, die deutschen Unternehmen bei der Expansion helfen und zumindest Teile der afrikanischen Eliten einbinden.

Die EU zieht nach und hat auf dem Gipfel in Abidjan nun ein weiteres derartiges Programm mit einem Volumen von 4,1 Milliarden Euro angekündigt; es soll Anreize für privatwirtschaftliche Investitionen in einer Höhe von insgesamt 44 Milliarden Euro bieten. Darüber hinaus sollen Stipendienprogramme für Studenten aus afrikanischen Ländern ausgeweitet werden, um die Orientierung der Eliten in Richtung Europa zu stärken – denn in jüngster Zeit hat nun auch China mit eigenen Stipendien beim akademischen Nachwuchs zunehmend Erfolg.

Viel mehr ist beim EU-AU-Gipfel in Abidjan nicht herausgekommen. Das große Geschäft läuft nach wie vor woanders, in Ost- und Südostasien, in Nordamerika, zunehmend auch im Mittleren Osten. Darauf konzentriert sich die EU. Ob ihre Mittel reichen, sich in Afrika langfristig gegen China zu behaupten, darf man bezweifeln. Vielleicht hat sie ihre Kräfte tatsächlich überdehnt. Quelle

Jörg Kronauer

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