Gegen den Strom

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom

In Syrien steigt die Wut mit jedem Toten

Präsident Assad verschärft den Militäreinsatz. Panzer und 3000 Soldaten marschieren ein. Die Syrer sind zu keinen Kompromissen mehr bereit und riskieren die Konfrontation. Das Regime hat keine Antworten auf die Bedürfnisse der Bevölkerung - außer Gewalt.

Deraa - Eine Menschenmenge schiebt sich durch die schmalen Straßen der Altstadt von Deraa. Am Anfang des Zugs wird ein Holzsarg von sechs Männern getragen. Ihr Ziel ist der Friedhof, der nicht weit von der Omari-Moschee entfernt liegt. Mehr als 100 Tote wurden auf diese Weise in den letzten Wochen zu ihrer letzten Ruhestätte in Deraa geleitet. Die Zahl der Trauernden wächst mit jedem Begräbnis. Und die Forderungen werden schärfer. Bestattungen in Syrien sind in diesen Tagen unberechenbar, die Spannung steigt, die Wut auch. Trauerzüge geraten zu Protestdemonstrationen, die meist in Gewaltausbrüchen enden.

Am Osterwochenende wollte die Regierung von Präsident Baschar al-Assad ein Exempel statuieren: Nach Angaben von Augenzeugen und Menschenrechtsvertretern rückten am Montag mehr als 3000 Sicherheitskräfte unterstützt von Panzern in die südliche Protesthochburg ein und schossen willkürlich um sich. Scharfschützen hätten auf den Dächern Stellung bezogen, sagte ein Aktivist. "Es herrscht Ausgangssperre. Sie schießen auf alle, die ihre Häuser verlassen", sagte ein Augenzeuge. Auch auf Wassertanks werde geschossen, um die Vorräte der Bewohner zu zerstören. Bei dem groß angelegten Militäreinsatz wurden nach Angaben von Augenzeugen mindestens 39 Menschen getötet. Die Sicherheitskräfte feuerten demnach mit schwerer Artillerie auf die Stadt. Die Grenze zu Jordanien ist geschlossen.

"Das Blut der Märtyrer ist nicht umsonst geflossen", ist Rim überzeugt, "jeder Tote bestärkt uns nur noch mehr, unsere Rechte einzufordern." Die Regierung müsse erkennen, dass sie die Protestbewegung nicht mit Waffengewalt zum Schweigen bringe. Trotzdem versucht Präsident al-Assad nach wie vor, dem um sich greifenden Volksaufstand mit Militäroffensiven Herr zu werden.

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Zum Stand der Proteste in Nordafrika und der arabischen Welt.

Zum Stand der Proteste in Nordafrika und der arabischen Welt.

Die Aufstände der Bevölkerung in Nordafrika und der arabischen Welt lösen laut einer ARD-Umfrage vom Februar 2011 eher Sorge als Optimismus aus. Die Befragten fürchten »Instabilität und Chaos, Flüchtlingsströme in Richtung Europa, eine Machtübernahme durch Islamisten, Gefahr für die Sicherheit Israels und Armut, Elend und Gewalt.« Die Angst vor »Islamisten« ist tief im Denken der deutschen Mehrheitsgesellschaft eingeprägt; »Islamisten« werden mit »Arabern« weitgehend gleichgesetzt. Schon 2008 fand das Allensbacher Institut heraus, daß 56 Prozent der Deutschen sich durch einen »Kampf der Zivilisationen« zwischen Christentum und Islam bedroht fühlten. Beim Stichwort »Islam« denken die Deutschen an »Unterdrückung der Frau«, stellte das Institut im Oktober 2010 fest. Und das PEW-Forschungszentrum in Washington berichtete, acht von zehn Deutschen setzten Islam gedanklich mit Fanatismus gleich.

Mit solchen Stereotypen und Vorurteilen haben die Umbrüche in der arabischen Welt nichts zu tun. Schon 2008 wiesen der Anthropologe Emmanuel Todd und der Soziologe Youssef Courbage (Die unaufhaltsame Revolution – Wie die Werte der Moderne die islamische Welt verändern, München 2008) vom »Institut für Demographische Studien« (Paris) auf eine »unaufhaltsame Revolution« hin, die die »scheinbar so festgefügten Gesellschaften der islamischen Welt in einer stillen, aber dramatischen Revolution (...) komplett verändern« würde.

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«Freitag der Märtyrer» und «Freitag der Rettung»

Aufrufe zu neuen Protesten in Syrien – Hunderttausende demonstrieren in Jemen.

Regimekritiker in Syrien haben für den Freitag zu neuen Massenkundgebungen aufgerufen. In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gingen nach dem Freitagsgebet hunderttausende Demonstranten auf die Strasse, um erneut den Rücktritt des Langzeit-Präsidenten Saleh zu fordern.

Unter dem Motto «Freitag der Märtyrer» sollen in Syrien nach dem Freitagsgebet Tausende Menschen für «Freiheit und Rechtsstaatlichkeit» auf die Strasse gehen, hiess es in einem Aufruf der Facebook-Seite «The Syria Revolution 2011».

Nach den Freitagsgebeten kam es in mehreren syrischen Städten zu Protesten gegen die regierende Baath-Partei. Sicherheitskräfte seien in einem Vorort von Damaskus mit Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen, berichteten Oppositionelle. Proteste habe es auch in den Küstenstädten Latakia und Banias gegeben.

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Massenproteste im Jemen

Die Proteste in Jemen zeigen Wirkung: Hunderttausende demonstrierten heute erneut gegen die Regierung im Land. Jemens Regierungschef Ali Abdullah Saleh deutet in einer TV-Ansprache seinen Rückzug an. Unter "gewissen Bedingungen".

ngesichts erneuter Massenproteste im Jemen hat Präsident Ali Abdullah Saleh versucht, seine Kritiker zu besänftigen. Um ein weiteres Blutvergießen zu verhindern, sei er unter gewissen Bedingungen zu einem Rücktritt bereit, erklärte Saleh am Freitag in einer Fernsehansprache. "Wir wollen keine Macht", sagte der autokratische Staatschef. "Aber wir müssen die Macht in sichere Hände übergeben, nicht in kranke, aufgebrachte oder korrupte Hände."

In der Hauptstadt Sanaa versammelten sich zehntausende Regierungsgegner. Sie hatten zu einem "Tag des Abgangs" nach den Freitagsgebeten aufgerufen, um Saleh zu einem sofortigen Rücktritt zu bewegen. Bei einer ähnlichen Kundgebung vor einer Woche waren 52 Menschen getötet worden. Vermutlich wurden sie von Scharfschützen in Zivilkleidung erschossen. Danach hatte sich eine Reihe führender Generäle, Diplomaten und Stammesanführer von der Regierung losgesagt.

"Die Regierung kann sich nicht einfach ihren Weg aus der Krise schießen", sagte Philip Luther, stellvertretender Amnesty-International-Direktor für Nahost. "Ob in Uniform oder in Zivil, die Sicherheitskräfte müssen sofort daran gehindert werden, mit scharfer Munition gegen unbewaffnete Demonstranten vorzugehen.

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Syrien: Demonstranten rufen "Tag der Würde" aus

Einen "Tag der Würde" haben am Freitag in Syrien Demonstranten ausgerufen, die sich erneut zu Massenprotesten versammelt hatten. Aktionen waren  in Daraa im Süden des Landes, in der Hauptstadt Damaskus und weiteren Städten geplant.

n der Ortschaft Dael nahe Daraa zogen bereits mehrere hundert Männer durch die Straßen und riefen "Dael und Daraa werden nicht erniedrigt". Sicherheitskräfte in Zivil griffen bislang nicht ein.

In Daraa trotzen die Demonstranten schon seit sieben Tagen zunehmender Gewalt der Sicherheitskräfte. Allerdings kam es bisher nicht zu größeren Protestaktionen in anderen Landesteilen.

In den Dörfern der Umgebung schienen sich die Menschen auf einen Marsch nach Daraa vorzubereiten. Regierungssoldaten wurden entlang der Hauptstadt postiert, offenbar, um einen solchen Marsch zu verhindern.

Ein Menschenrechtsaktivist, der seinen Namen nicht nennen wollte, erklärte, in der Ortschaft Duma nahe Damaskus hätten sich tausende Menschen versammelt. Sie wollten auf diese Weise den Menschen in Daraa ihre Solidarität versichern. Auch in Damaskus kamen vor der Ummajad-Moschee zahlreiche Menschen zusammen.

Sicherheitskräfte bauen Kontrollpunkte ab

Die Sicherheitskräfte schienen bemüht, die Spannungen in Daraa zu reduzieren. Sie bauten Kontrollpunkte ab. Zum ersten Mal seit einer Woche waren keine Soldaten auf den Straßen zu sehen.

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