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Tausende Menschen wollen Verteidigung des kurdischen Distrikts in Nordsyrien unterstützen

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Bereits am 24. Januar demonstrierten Tausende Menschen in Afrin gegen den Krieg

Seit mehr als zwei Wochen greifen die türkische Armee und mit ihr verbündete islamistische Gruppen den mehrheitlich von Kurden bewohnten Distrikt Afrin im Norden Syriens an. Trotz technischer Überlegenheit und Hunderter Luftangriffen konnten sie unter großen Verlusten bislang lediglich einzelne Dörfer und Hügel besetzen.

Nun kommt Unterstützung für die Verteidiger. Tausende Menschen haben sich am Wochenende aus vielen Städten der Region aufgemacht, um sich den Kämpfern in Afrin anzuschließen. Sie folgten einem Aufruf der »Bewegung für eine demokratische Gesellschaft« (Tev-Dem), die in den praktisch autonomen Gebieten Nordsyriens die Regierung stellt. In der Erklärung, die von der kurdischen Nachrichtenagentur ANF veröffentlicht wurde, heißt es: »Die Menschen in Afrin sind nicht allein. Wir rufen alle Menschen in Rojava und Nordsyrien dazu auf, sich am Marsch auf Afrin zu beteiligen.« Zudem wird an Medienvertreter appelliert, über die Situation in der Region zu berichten. Von der internationalen Öffentlichkeit wird gefordert, Partei zu ergreifen. »Die menschenfeindliche türkische Besatzerarmee wird in Afrin niemals siegen. Früher oder später werden es unsere Völker sein, die den Sieg erringen.«

Berichten zufolge bewegten sich bereits am Samstag und Sonntag riesige Konvois in Richtung Afrin. Abdul Karim Sarokahn, Kovorsitzender der Kantonalregierung von Al-Dschasira, sagte der kurdischen Nachrichtenagentur Anha, dass man solange Widerstand leisten werde, bis die Aggression gegen Rojava besiegt sei. »So, wie wir unser Volk in der Stadt Kobani unterstützt haben, werden wir auch jetzt über die Dunkelheit siegen!«

Am Sonntag trafen die Unterstützer aus Sengal, Qamislo und Heseke in Tel Temir zusammen und erreichten am Sonntag abend Kobani. Hier demonstrierten Tausende bis in die Nacht gegen die Aggression. Am Montag setzte sich der Konvoi dann mit mehreren hundert Fahrzeugen wieder in Bewegung.

Auch in Afrin demonstrierten am Sonntag Zehntausende Menschen gegen die türkischen Angriffe. ANF bezifferte die Teilnehmerzahl im Zentrum der Stadt auf 100.000. Es war ein starkes Zeichen der Bevölkerung, die trotz zweiwöchiger Luftangriffe die Stadt nicht verlassen hat. Auf der Abschlusskundgebung vor dem Dersim-Krankenhaus erklärte Bedran Ciya Kurd im Namen der Tev-Dem, wie zuvor die Attacken von Al-Qaida, Al-Nusra und »Islamischem Staat« ziele auch der Angriff des türkischen Staates direkt auf den Willen des kurdischen Volkes. »Der Angriff Erdogans gilt jedoch nicht nur dem kurdischen Volk, sondern allen Völkern Syriens«, so Kurd weiter.

Unterdessen zeigt man sich in Ankara Medienberichten zufolge »besonders zufrieden« mit den bisherigen internationalen Reaktionen auf die Militäroffensive. »Niemand stellt die Rechtmäßigkeit der Operation infrage. Sicherlich stellen einige Staaten und internationale Organisationen hin und wieder Fragen und bitten uns, zivile Opfer zu vermeiden. Das ist in Ordnung. Aber die Gesamtunterstützung war eher gut«, erklärte Erdogans Sprecher und Chefberater Ibrahim Kalin am Sonntag bei einer Pressekonferenz im Yildiz-Palast in Istanbul.

Wie das Regime von Präsident Recep Tayyip Erdogan mit Kritikern der Aggression umgeht, zeigt eine Erklärung des türkischen Innenministeriums. Seit Beginn des Einsatzes wurden demnach 449 Menschen wegen im Internet geäußerter Kritik und weitere 124 wegen der Teilnahme an Antikriegsdemonstrationen inhaftiert. Quelle

Kevin Hoffmann

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