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Kampf um Befreiung

Kurdische Frauen feiern den 8. März und setzen sich gegen türkischen Angriff auf Afrin zur Wehr

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Für die eigene Zukunft streiten: Eine Kämpferin der Frauenverteidigungseinheiten YPJ in Syrien (2016)

Auch in kurdischen Gebieten in Syrien wird am heutigen 8. März der internationale Frauentag begangen. In der Erklärung der »Kurdischen Frauenbewegung in Europa« (TJKE) heißt es dazu: »Der türkische Staatsfaschismus, der jahrelang den sogenannten islamischen Staat aufgebaut hat, tut dies vor allem aus Angst. Die Angst vor dem freien Menschen, der freien Frau und der freien Gesellschaft«. Vor allem wird der Aufbruch der kurdischen Frauen gefürchtet, die das patriarchale System nicht nur im Nahen Osten in Frage stellen. Insbesondere die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) haben weit über die Region hinaus das Bild einer basisdemokratischen Veränderung geprägt, die nicht selten als Revolution bezeichnet wird.

Die YPJ wurden offiziell im März 2013 in Afrin gegründet, in dem Gebiet, das seit Wochen im Kreuzfeuer der türkischen Armee steht. Als Ziel haben sie sich die Befreiung und Verteidigung vor allem der Frauen in Rojava und anderen Teilen Syriens gesetzt. Dabei geht es nicht nur um die physische Befreiung, sondern auch die vom Patriarchat. Einer ihrer Grundsätze ist: Nur eine Frau, die organisiert ist, kann sich schützen und verteidigen.

Die YPJ waren an allen großen Kämpfen beteiligt: von Sengal über Kobani bis Rakka. Wenn ein Gebiet von den YPJ befreit wurde, begann die Aufbauarbeit. Beispielsweise in Minbidsch, von wo im August 2016 der »Islamische Staat« vertrieben wurde. Sofort begann die politische Bildung, aber auch die Ausbildung an Waffen. An der Sehid-Rojhat-Akademie der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDK) wurden auch arabische Frauen in die Ausbildungseinheit integriert.

»Sehen die Frauen in den befreiten Gebieten die Kämpferinnen, kommt automatisch der Gedanke: Auch ich möchte eine starke freie Frau sein«, so Nesrin Abdullah, eine der Sprecherinnen der YPJ. Besonders in den arabischen Gebieten, die inzwischen große Teile der demokratischen Föderation Nordsyrien ausmachen, war es bisher keineswegs üblich, dass Frauen kämpften. Während sich in der kurdischen Bewegung schon in den 1980er Jahren Frauen an der Guerilla beteiligten.

»Ich bin davon überzeugt, wenn nur 100 Frauen in Sengal organisiert gewesen wären, wäre es im August 2014 nicht in die Hände des IS gefallen«, erklärt Abdullah. Die Frauen in Sengal bauten die Fraueneinheiten von Ezidikhan (YJE) auf. Das Beispiel der YPJ macht überall Schule. Auch in anderen Gebieten wurden Frauen an der Waffe ausgebildet und Verteidigungseinheiten von ihnen gebildet.

Afrin ist seit dem 20. Januar das Zentrum der Kämpfe der YPJ. Seit 48 Tagen leisten die YPJ und die Volksverteidigungseinheiten (YPG) Widerstand gegen die zweitgrößte NATO-Armee, die mit modernster Technik ausgestattet ist. Doch die Opfer sind hoch. Mehr als 200 Zivilisten, darunter viele Kinder, und wohl mehr als 100 Kämpfer wurden bisher getötet.

Zur Unterstützung der Verteidigung von Afrin wurde eine Frauenplattform gegründet. Die gemeinsame Parole für den 8. März lautet: »Afrin verteidigen, heißt die Frauenrevolution verteidigen«. »Allein in Deutschland finden in 48 Städten Aktivitäten der kurdischen Frauenbewegung statt«, so Songül Ömürcan von der TJKE.

In der Stadt Afrin ist am 8. März eine große Demonstration geplant, zahlreiche Besucherinnen aus Sengal, Minbidsch, Aleppo, Damaskus und dem Libanon werden dazu erwartet. Außerdem finden noch bis 9. März viele Veranstaltungen zum Thema Widerstand statt. In Europa geht der neugegründete Frauensender Jin TV am heutigen Donnerstag mit einer Testphase auf Sendung.

»Wir sind bereit, unsere Erfahrungen mit den Frauen zu teilen, die sich organisieren wollen«, erklärten die YPJ zum 8. März. Doch das befeuert die Angst der Herrschenden, weswegen nicht nur Europa zum türkischen Angriff auf Afrin geschwiegen wird. Damit zeigen die Regierungen, dass die angebliche Freiheit der Frauen, die Demokratie, die sie sich auf die Fahnen schreiben, nichts als hohle Phrasen sind. Denn nichts fürchten sie mehr, als dass auch in Europa Frauen ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Quelle

Anja Flach

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